Sardowski - Die Geschichte einer Trauergemeinschaft
Ein skrupelloser Bestatter nutzt die emotionalen Notlagen seiner Kundinnen aus und bereichert sich an ihren Ersparnissen.
Kryontopia - Die Einladung - Das Fundament
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Die Risse im Putz schmerzen. Der alte Kastanienbaum kennt mein Leiden nur zu gut. Bei ihm sind es die Wurzeln, an denen mit jedem neuen Jahr weitere, faulige Stellen auftauchen. Der Geruch von Moder übertüncht unsere einstige Schönheit. Schweigsam ist er, mein Baumfreund. Die meiste Zeit jedenfalls. Wenn jedoch der Wind seine Blätter sprechen lässt, hält mich kaum etwas zurück. Dann nehme ich all meine Kraft zusammen und lasse die Holzdielen in sein Lied mit einstimmen.
Da sind sie wieder! Diese elenden Ruhestörer, die keinen Respekt vor dem Alter haben. Sie schleichen durch die Nacht, glauben, etwas über damals zu erfahren. Sie nähern sich der Treppe, blenden mich mit ihren Taschenlampen. Zeit zu handeln. Sie dürfen nicht hinein, doch die Eingangstür ist längst verstorben. Mir bleibt nur eins. Ich warte. Noch einen winzigen Moment. Der Kastanienbaum hilft mir. Er wirft morsche Äste ab, die Gruppe fährt herum. Jetzt! Mit einem Schlag lasse ich die Fensterläden zuknallen. Verdammt. Diese Schmerzen. Einer der Läden ist abgefallen. Geschrei. Schrill. Unerträglich. Ein Mensch stolpert, will sich aufraffen, mit den anderen flüchten, scheitert. Das ist sie. Meine Chance. Gezielt lasse ich einen Dachziegel fallen.
Es war nur ein Unfall. Wie bei allen Besuchern seit damals. Ich schwöre.
Sie bereitete sich in ihrer Kochnische ein ärmliches Mahl. Erbsen mochte sie besonders gern. Fleisch konnte sie sich nicht leisten. Oder sie hätte auf ihr tägliches Glas Bier verzichten müssen, um sich hin und wieder einen Schweinebraten kaufen zu können. Doch wozu? Mehr Freude bereiteten ihr die Science-Fiction-Filme, die sie jeden Samstag im ersten Programm zeigten.
In seinem goldenen Anzug aus einem Guss hob er sich kaum von dem Flugobjekt ab, das er soeben verlassen hatte. Kein Antrieb, keine Tragflächen, kein Fahrwerk. Eine Oberfläche, so glatt wie sie von keinem Menschen auf der Welt je zuvor geschliffen worden war. Seinem zwei Meter fünfzig großen Begleiter fehlten Gesicht und Hörorgane, doch vermochte er seine Umgebung in Sekundenschnelle zu scannen.
Die Ziehung der Lottozahlen wollte sie sich anschauen, beim Wort zum Sonntag noch einmal die Erbsen aufwärmen und sie gemütlich bei Der Tag, an dem die Erde stillstand aufessen. Der Pfarrer begann in typisch schwülstiger Art. Sie stellte den Herd an, lauschte schläfrig den seligen Worten, vergaß die Erbsen.
Positivanalyse: fehlende Abwehreinheiten. Nirgends lauerten Gefahren durch menschliche Spezies in der Umgebung der Landestelle. Ungehindert machten sie sich auf den Weg in Richtung der Lichter, in deren Nähe sie die Existenzwaben des Homo sapiens vermuteten. Schon bald schmerzten ihre Geh-Einheiten, die nur in den seltensten Fällen zum Einsatz kamen.
Der Geruch von Angebranntem stieg ihr in die Nase. Schlaftrunken sah sie Außerirdische auf dem Weg zu …
Und auch das Wesen im goldenen Anzug und sein riesiger Begleiter wurden durch den bisher unidentifizierten Geruch angelockt.
Jahre später nahm sie die Schwarze Erbse, eine Auszeichnung für die Wegbereitung außergalaktischer Völkerverständigung, entgegen. Bis zu ihrem Tod zweifelte sie am Verstand der verantwortlichen Politiker.
Konrad
Im Sommer 2008 habe ich ein Gedicht über Konrad Thurano (geb. 04.04.1909, gest. 20.11.2007) geschrieben. Er war der älteste, aktive Artist der Welt und hat mich mit seiner lustigen Seilnummer unglaublich beeindruckt. Nun habe ich das Gedicht wieder hervorgekramt, umgestellt, geschnipselt und gedoktert und bin endlich mit der Neufassung zufrieden. Ich denke, man könnte ein nettes Liedchen daraus machen. Selbstverständlich ohne KI! Da ich das nicht kann, hat mein Mann einen kleinen Kompositionsauftrag bekommen. Ich freue mich schon auf das Ergebnis.
Der Köhler, der sein Handwerk schmeißt
Im Juni 2010 habe ich anlässlich des Rücktritts von Horst Köhler am 31. Mai 2010 ein Gedicht geschrieben.
Zum Tode von Horst Köhler am 1. Februar 2025 habe ich es aufpoliert und freue mich auch bei diesen Zeilen, wenn es sie demnächst mit selbstkomponierter Musik gibt.
Konrad
Auf der Bühne lebte er
Allein nur für sein Publikum
Doch war es nur ein Augenblick
Applaus war für ihn alles
Ein Clown mit Leib und Seele
Doch war es nur ein Augenblick
Nach vorne ging er
Schritt für Schritt
Doch war es nur ein Augenblick
Auf dem Seil spazierte er
Zusammen mit dem Sohn
Doch war es nur ein Augenblick
Er nahm uns alle mit
In fast einhundert Jahren
Doch war es nur ein Augenblick
Der Vorhang fällt
Das Licht erlischt
Der Augenblick vergeht
Der Köhler, der sein Handwerk schmeißt
Da steht er nun, betrübt sein Blick
Ein Mann, der weint
Statt seinen Mut zu loben
Erhält er nur Kritik
Da steht er nun, der Worte karg
Ein Mann, der klagt
Statt ihn zu erhören
Bestrafen sie ihn hart
Da steht er nun verzweifelt vorn
Ein Mann, der schweigt
Statt ihm zuzusprechen
Spürt er nur ihren Zorn
Da steht er nun, gesenkt sein Haupt
Ein Mann, der geht
Statt den Weg zu ebnen
Wird er der Ehr’ beraubt
Wer ist sein Volk?
Er kennt es nicht.
Und hat es nie gekannt.